Wildkatzenrevier Schlierbachswald

10. April 2013_Gut Marienhof. Im nordhessischen Völkershausen bei Wanfried liegt hoch über dem Werratal idyllisch der Marienhof. Der Gutshof aus dem 18. Jahrhundert ist umgeben vom Schlierbachswald, einem Laubmischwald, in dem seit Jahrhunderten Lärchen für die Masten unzähliger Segler geschlagen wurden. Der alte Eichenbestand ist ein Relikt aus vergangenen Tagen, als in der nahegelegenen Kreisstadt Eschwege die Lohgerberei ihren Höhepunkt hatte. Dieser Wald bietet Lichtungen und Dickungen, das angrenzende Feld und die Schlehenheckenstreifen sind nicht nur der Goldammer eine gute Deckung und sorgen für einen reich gedeckten Tisch an der Grenze zu Thüringen, vielmehr ist auch das Grüne Band, das entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze verläuft ein Kleinod für Wildtiere, zu denen auch die Waldkatze zählt.
Seit einigen Monaten beobachten Gutsbesitzer Maria und Hubertus Roeder von Diersburg die scheuen Katzen immer wieder an unterschiedlichen Stellen im Schlierbachswald. „Es ist immer wieder ein großer Moment für uns, diese Katzen auf einer Waldwiese oder im Bestand mit ihren Welpen zu beobachten“, sagte Hubertus Roeder von Diersburg. Es gelang Fotos zu schießen und die Beobachtungen auch via Facebook mit anderen zu teilen. Das Interesse an der Katze, die bereits vor mehr als 300.000 Jahren durch die mitteleuropäischen Wälder zog, wächst ständig. Wer die Katze in der Natur erkennt, sie also von der Hauskatze unterscheiden kann, ist somit zum „Wildkatzenkenner“ geworden und wird dann mit ganz anderen Augen durch den Wald gehen, da sind sich Jagdverein und Waldbesitzer sicher.
„Wir sind ein anerkannter Naturschutzverband und für den Schutz der Wildkatze zuständig“, sagt der Vorsitzende des Jagdvereins, Reiner Stelzner, während der Begrüßung zum Wildkatzentag auf dem Marienhof Anfang Mai. Über 90 Besucher fanden sich zum Naturerlebnistag ein, den der Jagdverein und die Roeders gemeinsam veranstalteten. Die Jaghornbläser gaben verschiedene Jagdsignale und stimmten auf einen Tag in der Natur ein, Wildschweinbratwurst vom Grill stand zur Stärkung der Naturliebhaber bereit.
Die Hauptrolle spielte an diesem Tag aber das „Flaggschiff“ oder die „Leittierart“, wie Dr. Jörg Brauneis die Wildkatze nannte. Sie kommt in den letzten Jahren vermehrt im Werra-Meißner-Kreis in diesem Gebiet vor. Mit Wanderungen durch Wald oder Feld, einem Fachvortrag und einem Lehrprogramm für Kinder wurden die Gäste über drei Stunden mit Wissenswertem aus der Natur an den Lebensraum der Wildkatze herangeführt. „Sie dürfen natürlich nicht erwarten, dass Sie jetzt sofort einer Wildkatze begegnen“, sagte Hubertus Roeder von Diersburg zu Beginn der Veranstaltung. Schließlich handle es Wildtiere, die nur im Aussehen der Hauskatze ähnlich seien, im Verhalten aber scheu blieben. Dass diese Tierart im Schlierbachswald anzutreffen sei, versicherte der Experte Dr. Brauneis und erläuterte beim Gang entlang des Grünen Bandes, den Lebensraum der Waldkatzen, die offene Laubwälder, warmes Klima und Gegenden, in denen es viele Mäuse zu jagen gibt, bevorzugten. Ganz nebenbei wurde der Gang durch das Revier der Wildkatzen von vorbei fliegenden Rotmilanen, Goldammern und Feldlerchen bereichert. Vogelstimmen von Baumpieper, Mönchsgrasmücke oder Zilpzalp ordnete der Ornithologe zu, erklärte die Vorzüge einer Blühfläche am Waldrand, wo Reh und Hase äsen, aber auch der Luchs und die Waldkatze auf Beutefang gehen. Der Tag über die Wildkatze war ein Erlebnistag in der Natur, der durch die Jagdhornbläser des Jagdvereins und die Wildschweinbratwurst vom Grill für alle Sinne geeignet war.
Und am nächsten Tag gelang es dem Jäger Michael Öllerich aus Ahaus auf einer Kuhweide am Gutshof noch Bilder einer jagenden Wildkatze zu machen, die ihre Merkmale gut zeigen. Waidmannsheil, dem Fotografen.