Johannes Fieber

Johannes Fieber (23.10.1912 bis 06.04.1975)
Er war einer, der ganz genau hinschaute und hinhörte. Schließlich war er ja Frisörmeister. Johannes Fieber kam nach dem Zweiten Weltkrieg nach Wanfried und eröffnete in der Marktstrasse ein Friseurgeschäft, das er bis in die 70-er Jahre betrieb. Besonders bekannt wurde Fieber als „der“ Heimatdichter, weil er besonders in seinen „Fieberkurven“ im ehemaligen Wanfrieder Stadtanzeiger jahrelang die Leute und ihre Geschichten gekonnt glossierte. Fieber war Mitglied des Stadtparlamentes Wanfried und gehörte auch dem Streichorchester der Wanfrieder Stadtkapelle an. Er hatte Mut und einen Humor, wie kein anderer.
So war es auch nicht verwunderlich, dass er sich 1953 zur Bürgermeisterwahl stellte. Mit einem Gedicht, in dem die Zeilen vorkamen: „… Ich tippe auf das Staatsvertrauen!Dann will ich Euch auch Häuser bauen. Die Straßen werden schön und glatt. Da macht ihr Augen und seid platt! Und wenn ich raufe meine Loden: Ich stampf ein Schwimmbad aus dem Boden. Beruflich – das müsst Ihr begreifen – Versteh ich alle einzuseifen.“
In 13 Jahrgängen „Wanfrieder Stadtanzeiger“ veröffentlichte Johannes Fieber zwischen 1961 und 1973 jede Woche humorig-spritzige, aber auch nachdenkliche Gedichte zum Tagesgeschehen, sie gaben dem von Rolf Herrmann herausgegebenen kleinen Ortsblättchen eine besondere Würze. Was Johannes Fieber in Reimform zu kommentieren oder zu glossieren hatte, danach fieberten die Leser schon.
Aber nach 13 Jahren wurde der Stadtanzeiger auf finanziellen Gründen eingestellt. Und damit verstummte auch die dichterische Stimme von Johannes Fieber. Rund 700 Gedichte wurden bis dahin veröffentlicht. Darunter viel interessante Zeitgeschichte der kleinen Stadt an der damaligen innerdeutschen Grenze. Teilweise spiegeln sie lokale Ereignisse wieder, andere haben auch heute noch überörtliche Geltung. Sie zeigen die Lebenshaltung dieses fröhlichen Handwerkspoeten auf, den man als modernen Nachfahren von Hans Sachs bezeichnen kann.
Johannes Fieber wurde am 23. Oktober 1912 im oberschlesischen Heidersdorf, Kreis Neisse geboren und wuchs mit drei älteren Geschwistern auf. Nach der Volksschule wäre er am liebsten Musiker geworden, aber Geldmangel verhinderte diesen Berufsweg. So ging er dreieinhalb Jahre in eine örtliche Friseurlehre und bestand 1930 die Gesellenprüfung, 1936 legte er seine Meisterprüfung in Oppeln ab und übernahm ein Friseurgeschäft bis zu seiner Einberufung zum Kriegsdienst 1939. Als Soldat war er beim Frankreich- und später beim Russlandfeldzug dabei.Mit schweren Erfrierungen wurde der Unteroffizier Johannes Fieber Anfang 1945 in das Reserve-Lazarett nach Eschwege eingeliefert. Erst im August wurde er aus amerikanischer Gefangenschaft entlassen und zwar nach Wanfried, wo er in einem Friseurgeschäft Anstellung fand. Nach der Währungsreform machte er sich in Wanfried selbständig, nachdem er hier die Frau seines Lebens gefunden hatte. Seine drei Kinder wurden in Wanfried geboren. So wurde aus dem „zugereisten“ Oberschlesier ein echter Wanfrieder, der diese Stadt zu seiner neuen Wahlheimat machte.
Seine Fröhlichkeit, Aufgeschlossenheit und Tatkraft erleichterten ihm die Integration in dieser damals von so vielen Flüchtlingen vollen Stadt, aber sehr bald schon erfreute er sich allgemeiner Wertschätzung und Anerkennung. Sein Interesse an Kunst und Literatur legte den Grundstein für den späteren, ausgefeilten Umgang mit der Sprache und Versen.
Am 6. April 1975 verstarb Johannes Fieber im Alter von 62 Jahren.Unter großer Anteilnahme der Wanfrieder Bevölkerung wurde der Heimatdichter zu Grabe getragen. Seine Gedichte sind auch heute noch sehr lebendig.