1413 bis 1568

1413 und zwar am 10. Juni, stirbt wieder mal einer. Diesmal ist es Landgraf Hermann der Gelehrte.
1415 haben die Allendörfer die Faxen dicke und bauen ein Schloss auf dem Ludwigstein. Weil nämlich die eichsfelder Adligen von Hanstein so „raublustig“ sind und die Allendörfer immer auf die Mütze hauen. Also haben die schnell mal ne Burg hochgezogen, naja schnell, am 13 Oktober 1418 war die fertig. (Obwohl, wer kann schon von fertig sprechen? Die sind ja heute noch am bauen.) Unter diesen Angriffen hatten auch Wanfried, Frieda und Albershausen zu leiden, ein Dorf, das zwischen Wanfried und Frieda lag. Und am raublustigsten waren die Heiligenstädter. Da haben wir’s! Die haben die armen Albershäuser immer wieder ausgeraubt und das Vieh geklaut oder vertrieben. Klar, dass die Einwohner davon die Nase irgendwann total voll hatten und das Dorf Dorf sein ließen. Ein paar sind nach Wanfried gezogen, die anderen nach Frieda. Die Gemarkung wurde aufgeteilt, der größte Teil ging nach Wanfried. Darum reichen die Grundstücke der Gemarkung Wanfried heute noch bis an Frieda heran.
1458 stirbt dann in Spangenberg Ludwig der Friedfertige, der Nachfolger vom Hermann dem Gelehrten. Immerhin hatte er 45 Jahre durchgehalten. Alle Achtung! Und jetzt kommt für Niederhessens Regierung: Landgraf Ludwig II. und übernimmt die Macht.
1461 ist es auch der Werra zu langweilig. Sie tritt über die Ufer. Aber dann wird das zur größten Überschwemmung, an die sich die Leute da erinnern können. Alle Häuser an der Werra stehen im Wasser, das reicht sogar bis zum Klosterhof auf der Erhebung, wo heute die evangelische Kirche steht. Und den Eschwegern stand damals das Wasser auch fast bis zu Hals. Jedenfalls bis auf den Altar der Heiligen Geistkirche.
1467 braucht der Ritter Hermann von Hornsberg schnelles Geld, weils die Deutsche Bank noch nicht gibt, verkauft er sein freies Vorwerk in „Wennefried“. Mit allem Zubehör. Ein freier Hof hinter der Klauskirche, Fulung und Wiese jenseits des Wassers ber der Kernerpforte mit allen Gärten und Wiesen, die zum Vorwerk gehören. Hans Bert, Schultheiß aus Witzenhausen, kauft ihm das alles ab.
1470 ausgerechnet am 8. September, am Geburtstag von Maria, bricht in ganz Hessen die Pest aus. Das ist aber auch… blöd, weil die bis zum Jahr 1472 wütet. Das war ein Mist. Leute, die krank werden, müssten gepflegt werden, die Gesunden haben aber Angst sich anzustecken, darum hauen die einfach ab, lassen Eheleute, Kinder oder Alte sitzen und machen einen Schuh. Darum sterben viel mehr Leute, als es bei einer Pest üblicherweise sein müsste. Dabei sind die Eltern am Anfang noch alle durch die Gegend gelaufen und haben gerufen: „Sammelt Pempernel! Sammelt Pempernel!“, daraus hätten die einen Tee machen können, der die Krankheit angeblich heilen konnte. Aber die sind einfach abgehauen. Und weil nix schlecht genug ist, als das es für irgendwas gut ist, haben die Eixfeller (Eichsfelder) danach die Pest-Prozessionen gemacht. In Lengenfeld u. Stein wird bis heute am 8. September diese Prozession bis zu dem Haus durchgeführt, in das die Pest nicht einzog und die Seuche ihre Wendung nahm. „A Peste fama et bello“, singt der Priester un die Gemeinde erwidert: „Libera nos, Domine“. Dann geht’s zurück in die Kirche.
1471 stirbt dann der Ludwig II. von Niederhessen. Ach so, am 8. November, wollte ich noch schreiben.
1472 kommen die Raublustigen wieder ins Spiel. Die Heiligenstädter überfallen Jestädt. Saubuam. Aber die Eschweger haben denen das dann wieder abgeluchst. Schlaumeier.
1479 irgendwer hat Witzenhausen angesteckt. Die Stadt brennt am 4. Oktober ab. Ist aber heute wieder da.
1483 am 13. Januar stirbt der Landgraf Heinrich III. in Marburg.
1491 am 25. Juli fegt ein heftier Orkan über Wanfried. Da sind Viecher und Menschen bei drauf gegangen.
1493 am 3. Juni verzichtet Landgraf Wilhelm I. zugunsten seines jüngeren Bruders Wilhelm II. auf den ersten Platz in der Landgrafenhitliste.
1509 ist dann Schluss mit Wilhelm II. Der ist tot am 11. Juli und hat aber vorher noch einen Philipp den Großmütigen in die Welt gesetzt.
1524 hat es Paul Walter geschafft, das Walterliche Lehn- und Freigut zu kriegen. Er ist seit dem freier Bauer und muss keine Abgaben leisten. Darüber freuen sich heute der Wilhelm, die Margret, der Johannes und die Grille.
1527 wird Hessen reformiert.
1530 wird die Reformation mal kurz durchgeführt. Das ist nicht so einfach wie heute. Der Pfarrer muss ins Kloster gehen. Seine Stelle hat ein Mönch aus Schmalkalden übernommen. Aber die Katholen haben sich nicht vertreiben lassen. Schon 1556 wird ein Gottesdienst erwähnt, der in der Schlosskapelle gehalten wird. Aus der Zeit stammen auch der Eselstieg von Hildebrandshausen nach Wanfried und der Neckname die „Unrechten“ für Altenburschlaner. Die hatten einfach mal ne andere Meinung zur Reformation. Darum benutzten die auch einen etwas abgewandelten Katechismus, um den Kindern den Glauben einzutrichtern. Wenn sich dann der Pfarrer in anderen Orten verplapperte und aus dem unrechten vorlas sagte er: „Ach, das ist der unrechte, der gehört nach Altenburschla.“
1533 werden Kloster und Kirche von Katharinenberg von Wiedertäufern zerstört. Das Kloster befand sich an der Stelle, wo heute ein Gutshof ist. Dabei wurde auch die Wallfahrtskapelle St. Jacobus zerstört.
1536 Am 11. November nehmen die Knechte vom Landgrafen Philipp zu Hessen – unter Mithilfe von Wanfriedern und Treffurtern – den Mühlhäusern 7 Wagen und 21 Pferde ab. Die hätten sich den protestantischen Lehrern widersetzt und die weggejagt. Das konnten die anderen dann so nicht stehen lassen und schlugen hart zurück.
1557 macht der Philipp von Hessen mal ein Testament. Es ist das erste seiner Art. Darin wird die Landesteilung nach seinem Tod geregelt. So kommt Wanfried dann zum Rotenburger Quart und wird späater der Linie Hessen-Rotenburg zugesprochen. Sigmund von Benneborgh und Valten Teulle verleihen im Auftrag den Landgrafen Philipp von Hessen Herrn Peter Kleinhanst eine Mühlhütte und ein Stück Land gegenüber der Stelle, wo die Pferde getränkt werden. Auf dem Wehr soll er eine Mühle bauen, wo heute das E-Werk steht.
1567 stirbt dann auch der Philipp der Großmütige. Erst 1899 wird ihm dann in Kassel endlich ein Denkmal gesetzt.
1568 wird der Schützenverein gegründet. Der hat dafür zu sorgen, dass Ruhe und Ordnung im Ort herrschen. Und der Ort von Gesindel verschont bleibt. Der Gildemeister bekommt ein wertvolles Abzeichen zum Zeichen seines VIP-Daseins, und das ist so wertvoll, dass es im Rathaus aufbewahrt wird. Aber als der Tilly, Anführer der gleichnamigen Truppe, in Wanfried vorbei schaute, hat er das einfach mal mitgenommen. Jetzt isses weg.

Es folgt die Geschichte über den genialen Peter Dorfheilige. Das Jahr 1576.