Wanfried im 400sten Stadtrechtejahrfieber

Wir schreiben den 1. Januar 2008. Es ist 14 Uhr. Gespenstische Stille herrscht den Straßen und Gassen Wanfrieds. Der Himmel ist bedeckt, alles scheint noch zu schlafen. Das wäre ja auch kein Wunder, schließlich haben die meisten Wanfrieder am Silvesterabend in der Bahnhofstraße fröhlich und ausgelassen das neue Jahr willkommen geheißen. So kennt man uns. Die gespenstische Ruhe des heutigen Tages aber ist also kein Beweis dafür, dass die Bürger unserer Stadt heute ausschlafen. In Wirklichkeit gilt: Auf geht’s! Packen wir’s an! Das Jahr der Feste und besonderen Anlässe, das Jahr der Aktivitäten und herausragenden Eigenleistungen hat begonnen. Es gibt kein Zurück mehr! In den Hinterhöfen, Wohnzimmern, Hobbykellern, Bierzelten und stillgelegten Firmengebäuden wird gehämmert, gemeißelt, gebastelt, geschmirgelt, genäht und gedacht, was das Zeug hält. Jeder wird seinen Beitrag zum Jubiläum leisten, koste es was es wolle. Die Vorbereitungen dafür liefen bereits im vergangenen Jahr auf Hochtouren. „Ich geh‘ noch mal bein Doktor!“, hörte man die Menschen sagen, denn körperliche und geistige Fitness ist von größter Bedeutung, um ein solches Superjahr durchzustehen. Verluste können wir uns nicht leisten. Wir zwingen die Demografie in die Knie! Dafür wurde die Kirche saniert, Geld gesammelt, Arbeitskreise gegründet, der Bürgermeister und die Pfarrerin wurden ausgetauscht. Der vorgeschriebene Alkoholverbrauch pro Kopf und Fest wurde verdoppelt und die defizitäre Situation auf ein hohes Niveaus gehievt. Aber das Highlight der ersten Jubiläumsstunde war der beleuchtete Plesseturm. Als Zeichen dafür, dass Wanfried das hält, was es für dieses Jahr versprochen hat, wurde er am Silvesterabend angestrahlt. Dafür hat der Zahnarzt höchst selbst Hand angelegt. Zwar nicht mit Bohrer und diesem fiesen Häkchen, mit dem er uns und unsere Karieslöcher zu piesacken vermag, sondern vielmehr mit Dieselaggregat und einer Beleuchtung, die weit übers Werratal hinaus scheint. Wir stehen dem Bismarckturm in nichts mehr nach! Wenn in Wanfried das Licht angeht, treten der Hülfensberg und Schloss Wolfsbrunnen verschämt in den Hintergrund. Denn wir sind die Dancing Queen in diesem 400sten Stadtrechtejahr 2008!