Ostereiersuche

Es ist soweit. Der Endspurt auf Ostern hat begonnen. Die Eier werden ausgegraben. Zwischen Lametta und Weihnachtsbaumkugeln liegen sie versteckt, ganz unten in den Tiefen der Kartons. Ich suche auch. Und finde Strohhühner mit zerfledderten Federn, angeschlagene Dekoeier, doofe Plastikeier – gleich weg damit in den gelben Sack – und wunderbare Hänge-, Liege- und Standhasen aus Holz. Neben dem ganzen Müll, vielen Eiern, Hühnern, Hasen und Holzmöhren kam sogar ein bemaltes Straußenei zum Vorschein. Was für ein Oster-Berg! Davor stehe ich jetzt. Wozu soll das gut sein?

Der Gerhard hat mir ein Foto geschickt mit dem Titel: Heute mal kein Wildschwein. Er spielt damit auf mein Hobby an, und dass ich eben ganz gern mal ein Stück Wildschwein esse. Auf dem Foto von dem Gerhard ist eine Terracotta-Dekogans mit roter dicker Schleife um den Hals, die unter dem Kirschbaum steht. Davor rote und gelbe Tulpen und viel Löwenzahn. Rasenmähen muss der Gerhard vor Ostern auch noch, denke ich beim Anblick dieses Arrangements. Aber wenn die Gans da schon steht, geht das schlecht. Also, es ginge schon, vorher muss der Gerhard die Gans aber wegräumen. Und jetzt habe ich die Antwort auf meine Frage: der Sinn einer Deko liegt im Hinräumen, Herräumen, Wegräumen, Vergraben, Vergessen, Wegschmeißen.

Aber wofür? Arbeit habe ich doch genug. Und dann kommt auch noch Ostern. Und schön solls werden und bunt. Und die Kinder und die Augen derjenigen, die dafür logistische Höchstleistungen vollbringen. Logistik heißt bei mir Stress. Vor allem mit den Eiern, die ich kaufen, färben und verstecken soll. Und mit Deko, die ich aus dem Keller holen, sauber machen und vor Haus- und Gartentoren, in Küche, Wohnzimmer, Hausflur und Fenstern platzieren soll. Vorher sind Blumenkübel neu zu bepflanzen, Fenster, Türen etc. zu säubern und die Tischdecken zu bügeln. Eierkuchen backen nicht vergessen. Und eine Kleinigkeit für die Kinder. Süß und nützlich, das geht ja gar nicht.

Ich schicke dem Gerhard ein Foto zurück. Da sind Hühner drauf. Lebendige Hühner, die sind auf einer grünen Wiese, ökologisch einwandfrei, schwarz und rotbraun, ein weißer Hahn dabei. Eigentlich wäre mir lieber, eins davon zu braten, als den ganzen Stress mit den Eiern zu haben, die sie für uns legen, das schreibe ich ihm aus Spaß! Klar sind die lebendigen Hühner netter und mir lieber als die Dekogans, aber bei Gerhard im Garten macht sich das Terracottatier schon sehr gut. Und wenns den Gerhard freut, dann freut mich das auch. Und jetzt geh ich Eier kaufen und mach die Wohnung schön. Ist ja schließlich bald Ostern.