Category Archives: Stadtchronik

Einleitung

Chronik der Stadt Wanfried_Eigentlich von Strauß, aber jetzt mal frei nach Wetzestein: Okay, ich gebe es zu, diese Chronikreihe über Wanfried ist bloß schnöde abgeschrieben. Aber erstens sage ich es gleich und zweitens hat es mich gereizt, den ollen Text, der wunderbar ist, mal umzuschreiben. Ich verbeuge mich, nur innerlich zwar, aber dafür sehr tief, vor Reinhold Strauß, seines Zeichens Journalist und dann Stadtsekretär. Der hat sie alle zusammengetragen und aufgeschrieben, die ganzen schönen Geschichten über die Zeit, wo es mit Wanfried bergauf ging. Naja, vielleicht nicht mit Wanfried, der Ort bewegt sich ja nicht, aber mit einigen Wanfriedern. Und…

Vorwort

Im Jahr 1884 fielen dem R. (A.d.R. Reinhold), die Tagebücher von Kantor Hotzell in die Hände. Der hatte angeblich schon alle wichtigeren Sachen aus den Jahren 1622 bis 1637 aufgeschrieben. Dann fand R. noch ein Verzeichnis aus Leipzig, das die vornehmsten Städte Europas aufzählte. Was soll ich sagen: Wanfried war dabei – ganz vorn – 1616 – kann nachgelesen werden. Donnerwetter! Der Sattlermeister Georg Bressler hatte die Dokumente gefunden und gedacht, da könnte der R. doch mal was drüber schreiben, weil der ja eh schon bei der „Wanfrieder Zeitung“ (Verlag von Gebrüder Kling in Eschwege) arbeitete. Okay, dachte sich der…

Wanfried

Und jetzt geht’s wirklich los. Wanfried Also, komplizierter geht’s kaum. Wegen einem „n“ zuviel so ein Theater. Bürokratie lässt grüssen. Und das am 15. April 1898. Da hat der Königliche Regierungspräsident aus Kassel (A I 2184, Amtsblatt Nr. 17) gesagt: „Schluss mit Wannfried, ihr heißt jetzt Wanfried!“ Und davor hieß es: Heiß ich Wennefrieden, Uanofrieden, Uanenreodun oder Uanenrieden? Alles Namen des Ortes an der Werra. Des Ortes schlechthin. Wanfried, der Nabel der Welt. Und auch, wenn sich der Name so oft geändert hat, der Standort war seit „grauer Vorzeit“ immer derselbe. Wanfried liegt auf der Grenze des großen thüringischen Gaues…

874 bis 1385

874 wird das Dorf Großburschla in Urkunden genannt und geschrieben, dass es wie Wanfried und Treffurt an der Werra liegt. 969 wird das Kloster in Großburschla von Weinharius, Abt aus Fulda, mit einem Münster umfunktioniert. 1247 werden die Kragenburg und die Burg Heldrastein von Treffurtern, Wanfriedern und Eschwegern gebaut. 1249 müssen die Burgen wieder abgerissen werden. 1293 wird Wanfried, was zu Thüringen gehört, an Nürnberg verkauft. Verkäufer: Landgraf Albert der Entartete, Käufer: Kaiser Adolf von Nassau. 1306 kauft Landgraf Heinrich I. die Burg und das Dorf Wanfried den Thüringern ab. Wanfried ist damals unter verschiedenen Edelleuten aufgeteilt. Und weil der…

1413 bis 1568

1413 und zwar am 10. Juni, stirbt wieder mal einer. Diesmal ist es Landgraf Hermann der Gelehrte. 1415 haben die Allendörfer die Faxen dicke und bauen ein Schloss auf dem Ludwigstein. Weil nämlich die eichsfelder Adligen von Hanstein so „raublustig“ sind und die Allendörfer immer auf die Mütze hauen. Also haben die schnell mal ne Burg hochgezogen, naja schnell, am 13 Oktober 1418 war die fertig. (Obwohl, wer kann schon von fertig sprechen? Die sind ja heute noch am bauen.) Unter diesen Angriffen hatten auch Wanfried, Frieda und Albershausen zu leiden, ein Dorf, das zwischen Wanfried und Frieda lag. Und…

1576 über einen genialen Poeten

History News – Petrus Paganus in den Adelsstand erhoben Wien/Wanfried. Seit 452 Jahren ist es amtlich, aber erst jetzt erreichte die Nachricht Wanfried: Petrus Paganus, hier besser bekannt als Peter Dorfheilige, wurde in den Adelsstand erhoben. Eine Abschrift der Nobilitierung und Wappenverleihung schlummert in Österreichs Staatsarchiv. Die versierte Gästeführerin Carmen Günter hat das jetzt zutage gefördert. „Die Erhebung gilt auch für seinen Bruder Johannes und den ehelich geborenen Söhnen“, sagte sie und hat die Urkunde vom 9. Januar 1561 abgelichtet. Und unter dem 17. Juni 1560 steht über ihn zu lesen: „Hessen kann sich freuen über den Dichter, der aus…

Jüdische Geschichte Wanfrieds

Diesen Beitrag über die jüdische Geschichte Wanfrieds wurde von Walter Henze zusammengetragen. Sie gibt alles an, was bislang zu recherchieren war. Die jüdische Geschichte in Wanfried – Zur Erinnerung und gegen das Vergessen Das jüdische Haus in der Windgasse, die Privatschule in der Schlossstrasse, das Badehaus an der Straßenecke Borngasse/Windgasse oder der jüdische Friedhof am Roten Berg. All das sind Spuren jüdischen Daseins in Wanfried und Beweise dafür, dass die jüdischen Bürger Wanfrieds die Kultur und die Blütezeit dieser Stadt beeinflusst haben. Allerdings war ihr Zusammenleben mit den Wanfrieder „Nichtjuden“ nicht immer durch Eintracht, freundschaftliches Miteinander oder fairen Streit geprägt…

Johannes Fieber

Johannes Fieber (23.10.1912 bis 06.04.1975) Er war einer, der ganz genau hinschaute und hinhörte. Schließlich war er ja Frisörmeister. Johannes Fieber kam nach dem Zweiten Weltkrieg nach Wanfried und eröffnete in der Marktstrasse ein Friseurgeschäft, das er bis in die 70-er Jahre betrieb. Besonders bekannt wurde Fieber als „der“ Heimatdichter, weil er besonders in seinen „Fieberkurven“ im ehemaligen Wanfrieder Stadtanzeiger jahrelang die Leute und ihre Geschichten gekonnt glossierte. Fieber war Mitglied des Stadtparlamentes Wanfried und gehörte auch dem Streichorchester der Wanfrieder Stadtkapelle an. Er hatte Mut und einen Humor, wie kein anderer. So war es auch nicht verwunderlich, dass er…

Johannes Gleim

Johannes Gleim (1650 – 1698) Als im Jahr 1682 die Pest in Wanfried über 200 Einwohnern das Leben kostet, sind es der evangelische Pfarrer Johannes Gleim, Konrad Wetzestein, Martin Klaus, Christian Döring, Georg Weske und Jakob Sänger, die die Kranken und Toten aus der Stadt bringen. Die Kranken wurden im Lazarett gepflegt, die Toten neben dem Siechenhaus begraben. Seinem Freund Jacob Faber, den auch die Pest dahinraffte, pflanzte Pfarrer Gleim als letzten Gruß eine Linde auf das Grab. Als „Pestlinde“ bekannt, steht sie noch heute, mehr 380 Jahre alt, in der Nähe der Werra.…