Jeder hat die Wahl

Mit großem Interesse lese ich seit Jahren die never ending K+S-Story. Und dann gehen mir so viele Gedanken durch den Kopf. Warum bekommt die Firma immer wieder Zeit zum Weiterverpesten? Warum gefährden diejenigen die Arbeitsplätze, die gegen diesen Umweltskandal sind? Die Verantwortung für 4000 Arbeitsplätze liegt bei der Firma K+S und nicht bei den Menschen, die versuchen, die Region ökologisch in einen besseren Zustand zu versetzen. Mich wundert, dass die Leute nicht stärker aufbegehren, dass immer noch ein paar wenige die „Drecksarbeit“ für die anderen machen müssen, dass alle hinnehmen müssen, wie uns K+S an der Nase herumführt und die Landesregierung die Segel längst gestrichen hat.
Wer freiwillig in einer Firma arbeitet, die vorsätzlich die Umgebung, also unseren Lebensraum und unser touristisches Highlight verpestet, der soll sich mal über seine Verantwortung an dieser Schweinerei Gedanken machen. Niemand wird gezwungen, für so einen Umweltverpester zu arbeiten. Die können sich andere Jobs suchen, weil sie diese Arbeit mit ihrem Gewissen eigentlich nicht vereinbaren können. Falls sie Kinder haben jedenfalls, den anderen solls egal sein. Klar, dann kommen andere, die die Arbeit übernehmen… Aber der Einzelne hätte Verantwortung übernommen… Ja, die Jobs gibt’s ja nicht… Im Werra-Meißner-Kreis nicht…. Eine Ausrede, die solange greift, bis jemand versucht, eine gute Geschäftsidee umzusetzen.
K+S hat den Untergrund ausgehöhlt, holt Kalisalz raus, spült das aus, was sie zu Geld machen können, der Sondermüll „Lauge“ wird im Boden verpresst, das macht das Grundwasser und die Seen unbrauchbar… Wenn die Lauge farbig wäre, hätten wir eine bunte Werra… dann würden die Leute merken, was ihnen durch den Garten fließt, wenn mal wieder Hochwasser ist und K+S die Einleitungsmengen erhöhen kann.
Der ausgehöhlte Untergrund wird zum Eventspielplatz. Da gehen Schulklassen klettern und feiern, die zahlen Geld dafür! Da wird der Berg Monte Kali bestiegen, ein Haufen Sondermüll und die Leute klettern hoch und finden das toll. K+S hat ein gutes Marketingkonzept, komisch, dass ein Konzept für die saubere Entsorgung nicht klappen will. Dass eine Pipeline immer Ärger macht und auf eine so weite Strecke niemals zur Umsetzung kommen wird, ist doch klar. Jedes Kindergartenkind hätte das voraussagen können.
Das Verantwortungsgefühl, die Erfahrungen am belasteten Werratalsee, all das müsste doch im Werratal ausreichen, damit das gestoppt wird. Der gesunde Menschenverstand sagt mir, dass man in die Hohlräume des Bergwerkes den gesamten Monte Kali einbringen könnte, da hätten die Leute lange was zu tun. Aber das ist ja nicht gewollt. Und wenn 2075 das Kali keine Rolle mehr spielt, die Reste aber weiterhin die Werra runter fließen, dann sind die Arbeiter auch egal. Dann geht der Konzern weg und hinterlässt den Berg. Ach, nein, stimmt nicht, dann werden vielleicht 3000 Leute arbeitslos und 1000 kriegen einen Job bei der Sonder- und Atommülleinlagerungsfirma, die dann das Bergbaugebiet übernimmt. Das sind strahlende Aussichten. Weil die Endlagerfrage ja noch nicht gelöst ist. Da sehe ich unsere Zukunft! Dann haben wir Steuereinnahmen, dann wird das Werratal reicht und irgendwann ist der Mensch auch immun gegen Strahlung und Gift und Müll. Nur gegen das so öffentlich zur Schau gestellte „an der Nase herumführen“, dagegen werden wir nie immun. Es ist uns egal, die anderen sitzen in dem Boot, das auf der Werra weiter oben treibt, als auf der Fulda. Solange die keinen Halt vom Ufer aus kriegen, treiben die immer weiter ab. Das ist schade.
Der gesunde Menschenverstand sagt mir, dass da auf lange Sicht gesehen ganz andere Dinge geplant sind und dass die unfähige Landesregierungen sich hinter Arbeitsplätzen verstecken, während das Werratal in der Salzlauge versinkt, die Badeseen umkippen und das Grundwasser vergiftet wird. Aber leider stinkt diese Brühe nicht, außer wenn die Algen blühen. Aber es stinkt zum Himmel, dass man dagegen nix tun kann. Weil unsere gewählten nicht in der Lage sind, die Dinge für mehr als 4000 Leute zu regeln. Für 100.000 Menschen, die im Werratal leben und zusehen müssen, wie die Werra immer mehr den Bach runter geht.