Gewonnene Reisegutscheine dienen nicht zum Seitensprung

Wir haben einen Hafen. Aber meine Freundin wollte mir das nicht glauben. Einen internationaler Umschlagshafen für Seitensprünge gibt es hier vor meiner Tür und der Handel blüht. Von der Turnhalle bis zur nächsten Seitenstraße bieten sich rechts und links die besten Parkmöglichkeiten, um den Wagen auch mal über Nacht oder ein ganzes Wochenende stehen zu lassen. Wenn die Stadt Gebühren erheben würde, wäre das ein einträgliches Geschäft. Das wollte meine Freundin mir einfach nicht glauben. Und als ich ihr meine Vermutung über den weißen Supermercedes mit ABG und den roten alten Opel mit GTH kund tat, lachte sie nur.

Reisen ist ja zur Zeit angesagt, da ist es nichts Außergewöhnliches, wenn fremde Fahrzeuge in Wanfried parken. Die Gewinner des Reisegutscheines, der bei den Stadtmeisterschaften im Mai verlost wurde, sind vielleicht jetzt auch schon im Urlaub. Nur, trotz aller Freude, einen Haken hatte die Sache: Das Kleingedruckte. Es war nämlich so, das hab ich nur gehört, dass die Reise an eine Flug- oder Kreuzfahrtbuchung gebunden war. Das gleicht den anonymen Callcenter-Gewinnen. Man kennt die Leute nicht, die einen in der Mittagszeit mit Anrufen quälen, redet trotzdem mit ihnen und dann hat man den Salat oder den Gutschein, der nur Geld kostet.

„Nein, also, ich möchte nicht“, egal was man sagt, die quatschen immer weiter auf einen ein. So wie der Mann aus dem weißen Supermercedes mit ABG es mit der Fahrerin des roten Opels aus GTH gemacht hat. Nein, er hat es nicht mit ihr gemacht! Dazu ist es ja nicht gekommen. Aber, er hat es versucht mit: „Und wenn beide es wollen“ und „Wir sind doch erwachsen“, ja und so weit weg von zu Hause, der Frau, dem Mann und dem Hund. Das nämlich war dann ihr Argument, um den gebürtigen Sachsen gegen 23 Uhr loszuwerden. Und außerdem hatte sie ihm in ihrem Mail geschrieben, dass sie „nicht so die Zeit hätte“. Er, die Hände in der Hosentasche tief vergraben, sie die Arme fest vor der Brust gekreuzt. Die Sache schien für mich als ungewollte Zuschauer und -hörerin festgefahren.
Er hat es – nach einer halben Stunde Diskussion unter meinem Schlafzimmerfenster – natürlich eingesehen, auf Sächsisch! Frei nach dem Motto: „Ich hatte dich zum Abendessen eingeladen, weil ich gerne mal mit dir Frühstücken wollte“, und sie wollte das nicht bemerkt haben? Die hat ihn ganz umsonst anreisen lassen. Das tat sogar mir schon leid.

Ich war drauf und dran den beiden ein freies Zimmer zu vermieten, damit endlich Ruhe war. Beim Einsteigen in die Autos hat er sie dann noch darum beneidet, dass sie nur bis Gotha fahren muss, während er sich im nächsten Etap-Hotel (!) an der A4 einquartieren wollte. Das kostete noch mal mehr als ein Abendessen. Aber wer weiß, was denen dafür alles erspart geblieben ist …