Einer für alle – jeder für sich

Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard ruft zu einer Freiwilligenaktion auf: Vor dem Schützenfest sollen am Mittwoch ab 17 Uhr ein paar Plätze aufgeräumt, ein bisschen Wildkraut entfert, hier und da mal der Besen zum Einsatz kommen. So ähnlich stand es in der Werra-Rundschau und siehe da: Der Wilhelm war da und der Hans, die Hannelore, die Eva und der Dirk von WHS. Die üblichen Verdächtigen, wie man es scherzhaft sagt, wenn man von Leuten spricht, die warum auch immer, etwas für alle tun. Etwa zwei Stunden sollte der Einsatz dauern, nach drei Stunden sah man die vier immer noch im Eiltempo für Wanfried die Festmeile herrichten. Aber haben wir den Wilhelm nicht genau dafür gewählt? Und jetzt kümmert er sich eben um alles. Egal, mit welchem Schmarn man zu ihm kommt, er versucht seinen Teil dazuzugeben. „Wilhelm, kannste mal vorbeikommen, mal ein paar Worte sagen, am Sonntagnachmittag oder Samstagabend oder in deinem Urlaub? Frau und Kinder kannste mitbringen, gibt auch ne Bratwurst, kommste?“ Oder „Ich will was bauen, kaufen, machen, anmalen, abreisen, singen, tanzen, fliegen, zaubern, hab Ideen, die mir nutzen und Wanfried auch ein bisschen, Wilhelm, das musst du dir ansehen!“ Und der Wilhelm, der hört und sieht es sich an, telefoniert, opfert seine Freizeit für alle Bürger. Die eigene Familie steckt zurück, immer wieder, die Stadt wird immer bekannter, kriegt positive Resonanz, dafür dreht der Wilhelm das Rad und auch manchmal am Rad. Und eigentlich ist er ja selber schuld. Muss er doch nicht machen. Wer verlangt das von ihm? Soll er doch die Leute vom Bauhof schicken! Oder die Jungs, die den Wasserfall vermüllt hatten. Ach, ne, das geht nicht, die haben schon alle kräftig Sozialstunden geleistet und mussten vor Schützenfest die Straßen und Parks reinigen.
Ich habs: die Leute, die seit Jahrzehnten die Gräben in der Umgebung von Wanfried mit Plastikmüll, Farbtöpfen, Schlachtabfällen, Kadavern, Sperrmüll und allem, was sie aus den Augen und dem Sinn haben wollten, verdrecken, die sollten im nächsten Jahr alle mal vorbeikommen, um dem Wilhelm zu helfen, wenn er sich mal wieder für alle abschufet.
Wie heißt es in Wanfried? Einer für alle, alle für sich.