Der spinnt doch – der Wilhelm

Wer es noch nicht mitbekommen hat, für den hier noch mal der Termin für die Bürgermeisterwahl: Sonntag, 5. Mai 2013 von 8 bis 18 Uhr im zugewiesenen Wahllokal. Hier ist der Bürger Wanfrieds berechtigt, in der Direktwahl einen Bürgermeister der vorliegenden Kandidaten zu wählen. Oder eine Bürgermeisterin, ganz egal, wer drauf steht, kann angekreuzt werden. Jetzt steht in Wanfried aber nur einer zur Wahl. Der Wilhelm, seineszeichens Bürgermeister seit sechs Jahren. Er heißt mit Nachnamen Gebhard, wird aber nur Wilhelm genannt, weil er überall der Sportfreund, Kumpel, Mitstreiter, Mitglied, Junge von nebenan, Verwandter, Freund, auch Ehemann und Vater, Sohn, Bruder und er selbst ist.
Der Wilhelm machte sich zum Schlagerstar, zum Quizzkandidaten, zum Bürgergruppenmitglied, zum Vereinsvorsitzenden, zum Mitstreiter und Mitredner in Ausschüssen und Vereinen. Der Wilhelm wollte Wanfried vermarkten, jetzt, nach sechs Jahren Amtszeit ist Wanfried im gesamten Bundesgebiet mehr als bekannt, die Leute kommen her, wollen sich das Städtchen am Werrahafen betrachten, von dem der Wilhelm überall so sehr schwärmt. Ach, ein Schwärmer ist er auch noch, der Wilhelm. Er kann es einfach nicht lassen, kann nicht anders als zu sagen: „Wenn ihr euch verbessern wollt, dann zieht nach Wanfried.“ Ein blöder Spruch? Nur so dahin gesagt? Wer ihn kennt, der weiß, dass er das ernst meint, dass er autentisch ist, auch im Wahlkampf als einziger Kandidat. Und schon gehen die Emotionen hoch. „Ob er sie noch alle hat?“, fragen sich die Leute. „Der soll scih um wichtigere Dinge kümmern!“, sagen sie auch. Und dass der Aufruf über „Windelpaten“ die totale Blamage für ihr wäre, wenn er etwas verschenken wolle, soll er es doch selber zahlen oder lassen. Viele glauben, dass er das nur für sich macht. Die ganze PR. Aber was hätte er davon? Es heißt sogar: „Früher hat Wanfried stumm gelitten, jetzt posaunt der Wilhelm das Elend der Stadt in die Welt hinaus!“ Was für eine Aussage. Dabei geht es bergauf, seit dem er sich für alle die Hacken abläuft, seine Familie immer wieder zurückstellt und erkannt hat, dass es ohne diesen Aktionismus wohl nicht mehr funktionieren kann. Viel zu lange hat Wanfried geschlafen, hat sich verwalten lassen, hat immer weiter viel Geld ausgegeben, obwohl schon lange nix mehr da ist. Wie alle Städte und Kommunen. Jetzt stehen wir da und müssen gemeinsam die Schulden abbauen. Dass dies keinen Spaß macht, ist allen klar. Aber weil Bürgermeister sein in diesen Zeiten keinen Spaß macht, keinen Kandidaten zu stellen, ist feige. Keinen Kandidaten aufzustellen, weil der Wilhelm es „doch ganz gut hinkriegt“, trotz der schwierigen Zeiten, das ist mal eine Aussage. Jetzt sollten alle zusammen stehen und gemeinsam das vorantreiben, was in Wanfried erste Früchte trägt. Dass der Wilhelm in der CDU ist, das ist für viele ein echtes Problem. Die Kritik an seiner Parteizugehörigkeit mag berechtigt sein, das kann die Erfolge, die er für Wanfried eingefahren hat, aber nicht schmälern. Überall tritt er ohne sein Farbfähnchen auf, die Parteiämter hatte er gleich nach der Bürgermeisterwahl abgelegt, den SPD-Mitgliedern, die im Rathaus arbeiteten, (ich glaube, es waren seinerzeit fast ausschließlich SPD-Mitglieder oder -Wähler), denen hat er die verantwortungsvollen, leistungsgerechten Arbeitsplätze gegeben, die sie verdienten und gibt ihnen Anerkennung, Lob und Unterstützung. Genauso, wie sie ihn unterstützen. Überall lobt er die Angestellten seiner Stadtverwaltung, die mitziehen, viel arbeiten und verlässlich für die Stadt eintreten. Kaum ein Bürgermeister spricht seiner Truppe so viel Lob aus. Er ist stets positiv und reißt die Leute einfach mir. Und wer das blöd findet, dem sei gesagt, dass auch dies erlaubt ist. Und das kann er dem Wilhelm auch selbst sagen, weil der sich vor der Wahl den Leuten stellt. In Gesprächsrunden in Wanfried und den Dörfern. Er gibt jedem die Möglichkeit, offen seine Kritik oder auch sein Lob anzusprechen und zu diskutieren. Das ist doch eine gute Gelegenheit, die Stammtisch- und Thekengespräche mal öffentlich zu machen. Den Unmut, den Ärger über den Wilhelm, der offenbar spinnt, wenn er sagt: „Wir können uns nicht mehr verbessern, wir leben ja schon in Wanfried.“