Der Bürgermeister ist weg

Haben Sie das mitgekriegt? Unser Bürgermeister ist weg. Die ganz Woche schon. Kein Bild in der Zeitung, kein Telefonat, in dem man gebeten wird, doch mal schnell einen Termin mit Leuten wahrzunehmen, die sich eben auf der Marktstraße haben einfangen lassen. Entzugserscheinungen habe ich. Was mach ich nur, wenn der Wilhelm länger als nur eine Woche in Urlaub geht? Dann bin ich hinterher reif für die Klappse. Kann nix schreiben, krieg nix mit, fühl mich völlig wertlos. So geht das nicht, ich will zukünftig ein ordentliches Bürgermeisterrufbereitschaft-Ersatzprogramm-abhängiger-Bürgerinnen-und-Bürger. Aber das Ende dieser Quälwoche ist in Sicht: Ich habe ja gehört, dass er nächste Woche wieder im Rathaus ist. Dann kanns weitergehen. Ich kann mir gut vorstellen, wie sein Schreibtisch jetzt aussieht: Alle Informationen liegen da gestapelt, die Unterschriftenmappen sind zwischen Deckenbalken und Fußboden eingeklemmt, damit sie nicht umfallen und die Stehlampe mitreißen, denn das kostet Geld, was die Stadt nicht hat. Die gelben Postits, wo kurz die Anrufe der Bürgerinnen und Bürger drauf notiert sind, mit Anliegen, Name und Telefonnummer zwecks Rückruf, tauchen das kleine Amtszimmer in einen warmen sonnigen Farbton. Und wenn der Bürgermeister seine Emails erstmals nach mehr als sieben Tagen abruft, während er die Postits abtelefoniert, braucht der Computer wahrschlich Stunden, um die alle aufzulisten. Zweihundert werden es schon sein. Quatsch, eher 350, weil ca. 50 Stück am Tag, obwohl nee, eher 80 am Tag, dann sind es 560. Die wird er dann kurz oder lang beantworten und schwupps ist er wieder drin, in seinem Wanfrieder Tagesgeschäft. Und wenn Christoph Hoffmann tatsächlich sein Handy-Smart-dings im Schreibtisch eingeschlossen hat, dann wird der Bürgermeister auch noch von hunderten SMS’n überflutet, sobald er das Teil anschaltet und online geht. Willkommen zu Hause! Aber da ist es ja bekanntlich am schönsten und der Wilhelm sagt immer: Ich mach das alles nur für Wanfried.